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Respekt vor Schiedsrichtern? - Diskussionsveranstaltung in Grünberg.

Eine Alternative wäre es gewesen, nach den ersten Ausführungen des hessischen Staatssekretärs und Regierungssprecher Michael Bußer die Veranstaltung abzubrechen und sich dem Grillbuffet mit Thüringer Bratwürsten, mit Zitronengras marinierten Geflügelspießen und Schweinenackensteaks zu widmen. Denn Bußers Aussage „Mangelnder Respekt ist der Anfang allen Übels“ werden wahrscheinlich alle Gäste der Veranstaltung „Respekt im Umgang mit Schiedsrichtern“ zugestimmt haben. Doch die folgenden Gesprächsbeiträge bei 38, 39 Grad im (bezeichnenderweise) Wintergarten der Sportschule Grünberg lohnten, sodass das Buffet warten musste. Denn der Sportkreis Gießen und der Kreisfußballausschuss mit Heinz Zielinski und Henry Mohr an der Spitze hatten eine illustre, rund 80-köpfige Besucherschar angelockt.

So waren vor allem viele Schiedsrichter, Kampfrichter, Wertungsrichter und entsprechende Verbandsvertreter im Raum zu finden. Und imGegensatz zu anderen Sportarten wussten beispielsweise die Tanzsportler nur wenig über Differenzen bei der Wertungsvergabe zu berichten. Und auch Thomas Böhme vom RSV Lahn-Dill wiegelte für den Rollstuhlsport eher ab: „Fehlentscheidungen gibt es bei uns nicht so oft.“ Natürlich gebe es auch einmal Situationen, in denen man mit den Schiedsrichtern rede, erzählte der vielfache Rollstuhlbasketball-Nationalspieler. Wies aber gleichzeitig auf ein generelles Problem hin: „Wenn ich mich auf den Schiedsrichter fokussiere, dann nehme ich mich aus dem Spiel.“ Der Gießener Basketball-Schiedsrichter Erik Etzelmüller wollte die Problematik in seiner Sportart ebenfalls nicht allzu hoch hängen. Er schickte zwar voraus, dass „Respekt gegenüber den Schiedsrichtern von Anfang an vorhanden“ sein sollte. Aber der Grundsatz, dass im Basketball mindestens zwei Referees pro Spiel zum Einsatz kommen, bedeute einen Vorteil für junge Schiedsrichter, dass sie anfangs mit älteren zusammenpfeifen und reifen könnten. Ein Ansatz, der in anderer Form auch im Fußball und Handball zum Tragen kommt. So berichtete der langjährige Bundesliga-Schiedsrichter und Funktionär Lutz Wagner vom Ansatz imFußball, junge Unparteiische durch Paten betreuen zu lassen. Auch für Wagner ist es wichtig, dass die Anfänger Zeit zumReifen haben. Ein Problem, das sich im Handball ähnlich gestaltet, wie Tobias Lambmann als Bezirksschiedsrichterwart ausführte. Denn an der Basis seien meist junge Leute imEinsatz, „die noch nicht die entsprechende Persönlichkeit haben“.

Als einziger weibliche Vertreterin in den Gesprächsrunden wies Jacky Klippert auf eine ganz andere Situation im Frauenfußball hin. „Bei Frauen wird nicht gemeckert. Da wird meist auf Augenhöhe kommuniziert.“ Andererseits seien nach ihrer Erfahrung Frauen „deutlich nachtragender“.

Einen anderen Aspekt wollte der Hüttenberger Zweitliga-Handballer Mario Fernandes herausgestellt haben. Für einen guten Spielverlauf sei es wichtig, schon vor dem Anpfiff „für eine gute Stimmung mit den Schiedsrichtern“ zu sorgen. Ein Ansatz, der auch im Sinne von Lutz Wagner war. Man müsse „ein gutes Klima vor dem Prozess erschaffen“. Zudem sei es wichtig, die Multiplikatoren in den Mannschaften auszumachen, um Einfluss ausüben zu können.

Das bestärkte Walter Eschweiler, die lebende Legende der Fußball-Schiedsrichter mit seiner Aussage, dass sich seine Zunft zum einen „nicht so tierisch ernst nehmen“ solle. Zudem müsse man selbst die Spieler respektvoll behandeln. Es gebe so viele Gelegenheiten, diesen imVorbeilaufen ein nettes Wort zu sagen, führte die mittlerweile 83 Jahre alte rheinische Frohnatur aus. Und gab dem Auditorium den nachdenkenswerten Satz mit auf den Weg: „Der Schiedsrichter ist nicht der Vorgesetzte der Spieler, sondern der Mittler der Regeln.“ Doch auch die vielen Anekdoten Eschweilers konnten nicht das große Problem kaschieren, das mittlerweile viele Sportarten umtreibt: Die zunehmende Unfairness vieler Eltern. „Eltern sind oftmals die schlechtesten Vorbilder“, urteilte Lutz Wagner. Florian Lambmann sagte für denHandball: „Auch wir haben ein großes Problem mit den Eltern.“ Was Erik Etzelmüller für denBasketball mit ähnlichen Worten formulierte. Und es darf davon ausgegangen werden, dass diese Thematik Gesprächsstoff in den Kleingruppen war, als es endlich zum Grillbuffet ging.

Bericht : Albert Mehl

                                                        

                                                           Unter den Vorzeichen des Respekts zumGruppenbild in Grünberg vereint: (hinten von links) Staatssekretär Michael Bußer, Florian Lambmann, Mario Fernandes, Henry Mohr,

                                                          Heinz Zielinski, Ulli Will, Lutz Wagner; (vorne v. l.) Erik Etzelmüller, Walter Eschweiler, Thomas Böhme, Jacky Klippert.    Foto: Mohr

 

 

on 08 Juli 2019

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